Stolpersteine in der Gemeinde Nohfelden


Eine 14-köpfige Schülergruppe der Gemeinschaftsschule Türkismühle recherchierte gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe im Adolf-Bender-Zentrum die Schicksale früherer jüdischer Dorfbewohner aus ihren Heimatorten, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Besonders bewegt hat die Gruppe die Geschichte der Kinder, zum Beispiel die der Lotte Koschelnik.

Zum Projekt gehörten auch eine Alternative Rundfahrt durch die Gemeinde Nohfelden und die filmische Dokumentation des Projektes. In ihren Recherchen stützte sich die Gruppe vor allem auf das Buch von Eva Tigmann und Michael Landau „Unsere vergessenen Nachbarn“ (St. Ingbert 2010), aus dem auch die Inhalte und Bilder dieses Flyers entnommen sind. Das Projekt wurde unterstützt von der Gemeinde Nohfelden.

Übersicht über die Stationen der Stolpersteine

Klicken Sie auf eine der Stationen, um weitere Informationen zu erhalten.

<b>Familie Lion</b></br>Bostalstraße 62, Bosen <b>Familien Hirsch und Kahn</b></br>Gonnesweiler <b>Familie Wolf</b></br>Hauptstraße 47, Sötern <b>Familie Koschelnik</b></br>Hauptstraße 55, Sötern

Die Stationen im Detail

(1) Bostalstraße 62, Bosen: Familie Lion

Der Viehhändler und Landwirt Max Lion wurde mit seiner Frau Flora und den Söhnen Günther und Egon 1942 deportiert. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt.

(2) Gonnesweiler: Familien Hirsch und Kahn

Ludwig und Flora Hirsch wurden mit ihrem 8-jährigen Sohn Raimund im April 1942 verschleppt und sind in Lublin verschollen. Die Großeltern Josef und Charlotte Kahn wurden noch im gleichen Jahr im KZ Theresienstadt ermordet.

(3) Hauptstraße 47, Sötern: Familie Wolf

Arthur und Pauline Wolf lebten vom Handel. Ihr Sohn Jakob-Werner wurde 1941 bei einem Fluchtversuch verhaftet und im KZ Dachau ermordet. Die anderen Söhne Ludwig-Erwin, Herbert und Heinz Wolf wurden mit ihren Eltern 1942 nach Lublin verschleppt und ermordet.

(4) Hauptstraße 55, Sötern: Familie Koschelnik

1939 flüchtete Isaak Koschelnik nach Shanghai. Er wollte seine Familie nachkommen lassen, doch dazu kam es nicht mehr. Lotte, damals 13 Jahre alt, wurde mit ihrer Mutter Johanna Hedwig Koschelnik und ihrem Bruder Friedrich 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet. Die Spur ihrer Schwester verlor sich bereits ein Jahr zuvor im Konzentrationslager Riga.

Postkarte an die Familie Joseph Kahn (17.10.1942): "Meine sehr Lieben! Schreibfaul bin ich liebe Ma. Aber bleibt ihr gesund. Wir beißen und durch, wenn es auch schwer ist. Mir ist alles egal. Uns ist es gegangen bald wie lieber Flora. Habe aber noch mehr. Habe mich warm angezogen. Ihr werdet wohl zu lieber Melly kommen. Nimm nicht zu viel mir. Gut anziehen und warm, wenn Ihr dieselbe Route macht. (…) Herzliche Grüße und Küsse, Ernst."

Erinnerungen von Olga Liesmann: "Frau Koschelnik ging mit dem Kind nach Berlin. Das war sehr traurig. Ich bettelte meine Eltern an, sie sollten Lotte doch bei uns verstecken. Aber sie sagten, dass das doch nicht möglich sei. Lotte übergab ihre schöne Puppe und noch einige andere Spielsachen in meine Obhut. Ich sollte darauf aufpassen, bis sie wieder kommt. Das habe ich auch gemacht. Ich habe nie mit dieser Puppe gespielt. Aber Lotte ist nie wieder zurück gekommen."

Medien

Jüd. Friedhof in Sötern
ehem. Synagoge in Sötern
Charlotte u. Joseph Kahn
Raimund Hirsch
Fam. Koschelnik